Die Organisationen von KleinproduzentInnen und in dem Fairen Handel engagierten Unternehmen, welche die Generalversammlung des KleinproduzentInnen Symbol Global, SPP Global, bilden und die heute, am 29. Juni 2017, in unserer sechsten Generalversammlung zusammengekommen sind, möchten unserer Vision und historische Perspektive des Fairen Handels bestätigen und teilen.

Viele der Organisationen von KleinproduzentInnen, die wir am KleinproduzentInnen Symbol, SPP, beteiligt sind, waren Mitbegründer des Fairen Handels. Wir haben für den Aufbau eines fairen Marktes für unserer Produkte für beinahe drei Jahrzehnte gekämpft mit der Unterstützung und Zusammenarbeit von Tausenden von Unternehmen und Institutionen, Millionen von Aktiven und Konsumenten auf der ganzen Welt. Auf diesem Weg haben wir ebenfalls dafür gekämpft, dass die Stimme der organisierten KleinproduzentInnen hörbar wird und dass wir nicht nur als Begünstigte, sondern als Hauptakteure wahrgenommen werden.

Obwohl der faire Handel heutzutage einen geringen Teil des weltweiten Handels ausmacht, waren die Erfolge für Millionen von Familien aus Tausenden von Gemeinden und Dörfern des Globalen Südens äußerst entscheidend. Mit Hilfe des Fairen Handels machten die solidarischen Märkte auf der ganzen Welteinen quantitativen Sprung bezüglich (Verkaufs-) Volumen und einen qualitativen Sprung bezüglich des Einflusses auf die Lebensrealitäten von KleinproduzentInnen aus benachteiligten Gebieten auf der Welt.

Nach dreißig Jahren des Fairen Handels sind die zu lobenden Erfolge vielzählig, hauptsächlich in Bezug auf den Anstieg von örtlichen Fähigkeiten, ein würdiges Leben für die Familien und Gemeinden der KleinproduzentInnen bieten zu können. Der Faire Handel stellt für uns eine Konstante dar, die es uns erlaubt, tagtäglich unsere Fähigkeiten, das Leben der Familien von KleinproduzentInnen positiv zu verändern, weiterzuentwickeln.

Der Faire Handel ist keine philanthropische, paternalistische oder pittoreske Handlung, um Gaben an die Armen zu verteilen und so die Schäden einer Ausbeutung und massiven Ungleichheit zu verringern. Genauso wenig ist er ein System, um die Verantwortung ebendieser Ungerechtigkeiten den KleinproduzentInnen selbst aufzubürden und sich von Schuld zu befreien. Der Faire Handel umfasst die Aneignung der Wertschöpfungskette durch organisierte KleinproduzentInnen, die sich an der Basis dieser Kette befinden, um Konsumenten nachhaltige Produkte im ökonomischen, sozialen und ökologischen Sinne bieten zu können.

Leider stellen wir fest, dass heutzutage Visionen, Praktiken und Handelsmodelle unter dem Motto „Fairer Handel“ existieren, die sich den Prinzipien und Werten eines wahren fairen Handels, solidarisch und integrativ, widersetzen. Diese Praktiken und Modelle riskieren den Zugang zu den Märkten für unsere Produkte, ebenso wie die Glaubwürdigkeit und daher das Überleben des Fairen Handels an sich und der Organisationen von KleinproduzentInnen und verpflichteten Unternehmen.

Viele dieser „schlechten Praktiken“ im Fairen Handel stehen in Verbindung zu der Rolle, die die großen Zwischenhändler und Marken des Fairen Handels spielen, welche es geschafft haben, den Fairen Handel genau mit den ausnutzenden Schemata des konventionellen Marktes innerhalb des Marktes des Fairen Handels zu durchdringen.

Auf der anderen Seite schafft die jedes Mal größere Beteiligung von produzierenden Privatunternehmen, beispielsweise großen Privatplantagen, in unterschiedlichen Bereichen des Fairen Handels Situationen unlauteren Wettbewerbs, die verursachen, dass KleinproduzentInnen den Markt und Zukunftsperspektiven verlieren.

Wir rufen dringlich die gesamte Bewegung des Fairen Handels dazu auf, eine Kannibalisierung des Fairen Handels durch die großen Handels- und Produktionskooperationen zu unterbinden, die sich die traditionellen Schemata der Ausbeutung, des Missbrauchs und der Konzentration der Macht und des Reichtums aneignen. Sie tun dies ausgerechnet innerhalb einer Bewegung und eines Marktes, die geschaffen wurden, um genau dieses Wirtschaftsmodell zu bekämpfen.

Lasst uns weiterhin lokale und internationale Märkte des Fairen Handels schaffen, basierend auf den Werten der demokratischen Organisation, auf Gleichheit, (ökonomischer) Gerechtigkeit, Solidarität und sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit. Lasst uns für einen authentischen, tiefgründigen, integrativen und demokratischen Fairen Handel arbeiten, der tatsächlich die Art und Weise verändert, den Markt und die Wirtschaft zu konstruieren.

Heutzutage nehmen uns die Kommunikationsmedien mit Artikeln ein, die nicht nur den Tod des Fairen Handels verkünden, falls dieser nicht zu seinen ursprünglichen Zielen zurückkehrt; Einige sind gar der Ansicht, der Faire Handel sei bereits gestorben. Um zu zeigen, dass dies nicht wahr ist, müssen wir uns vereinen und den Fairen Handel von all den schlechten Aspekte befreien. Wir werden es nicht zulassen, dass sie uns den Fairen Handel wegnehmen.

Lasst uns den Fairen Handel retten! Es lebe der Faire Handel!

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